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Wilhelm Ripe - Eine Harzreise um 1850

geschrieben von Ursula Jung im Januar 2012

Der Landschaftsmaler Wilhelm Ripe (1818 bis 1885) porträtiert und dokumentiert in hoher künstlerischer Qualität Land und Leute im Harz. Der Museumsverein e.V. hat im Goslarer Museum eine Auswahl von Ripe-Stahlstichen sowie die entsprechenden Stahlstich- Druckplatten in einer facettenreichen Ausstellung zusammengetragen.

Tourismus steigert die Nachfrage

Die Druckplatten sind die dezenten Stars der Ausstellung. Der Museumsverein konnte sie nach jahrzehntelangem Bemühen mit Unterstützung des Regionalverbandes Harz e.V. erwerben. In der Mitte des 19. Jahrhunderts ermöglichte die Technik des Stahlstichs, die detailgetreuen Ripe-Zeichnungen in großer Anzahl zu drucken und zu verbreiten. Die steigende Nachfrage für harztypische Motive resultierte aus dem beginnenden Tourismus in der Region.

Goslar wird Magnet für Kurgäste

Goslar avancierte durch die Aktivitäten des späteren Kurdirektors Friedrich Lampe zu einem Anziehungspunkt für Kurgäste und Erholungssuchende, deren Malaisen der Kräuterdoktor erfolgreich behandelte. Das Team um den Vorsitzenden des Museumsvereins, Jörg-Utz Hapke, hat deshalb einen Schwerpunkt der Ausstellung dem Kräuterdoktor gewidmet. Lampe, von Beruf Schumacher, hat sich autodidaktisch mit der Pflanzenheilkunde und deren Wirkungen auf den menschlichen Organismus auseinandergesetzt. Das von ihm entwickelte Kräuterelixier ist heute noch erhältlich und wurde als Universalheilmittel für die unterschiedlichsten Beschwerden eingesetzt. Lampes Behandlungserfolge überzeugten auch das Königshaus von Hannover. Vor allem Königin Marie ließ sich gern in Goslar kurieren und nach ihr wurde auch die Heilanstalt „Marienbad“ benannt. Der Maler Ripe war mit Friedrich Lampe befreundet und hat mit seinen Zeichnungen des Kurgartens und der Anlagen ein kleines Stück Goslarer Geschichte bildlich bewahrt. Die sehr differenzierten Darstellungen Ripes lenken den Blick auf oft winzige Details, die in ihrer Gesamtheit einen Blick auf ein „verschwundenes Goslar“ ermöglichen. Die Fülle der Motive des Landschaftsmalers Ripe schließt alle bedeutenden touristischen Ziele im Harz ein und auch die Harzreisenden finden sich nicht nur als Statisten auf den Ansichten wieder. Ripe entwirft seine Harzlandschaften nach dem Goldenen Schnitt, ein schon in der Antike angewandtes Prinzip von idealen Proportionen in Verbindung mit Ästhetik und Harmonie. Bei aller Nähe zur Realität richtet sich der Blick auf die Ferne, das Unbekannte und Ersehnte. Ripe fühlte sich aber auch den einfachen Harzbewohnern verpflichtet, den Bergleuten oder den Kiepenfrauen.

Landschaften und Menschen sind dem Maler interessant

Seine Darstellungen der Arbeitswelt im Bergwerk dokumentieren im Kleinst-Format alltägliche Szenen einer zu Ende gehenden Epoche. Respektvoll, aber nicht idealisierend, zeigt Ripe uns Arbeits- und Lebensbedingungen im Harz unserer Vorfahren. So wie die Blicke der abgebildeten Personen manchmal über den Bildrand hinausschauen und den Betrachter förmlich in das Geschehen mit einbeziehen, so gewährt Ripe uns kleine Einblicke in die Welt des 19. Jahrhunderts. Die Eindrücke der Ausstellung können am 08. und am 15. Januar 2012 von 15.00 bis 17.00 bei den Kamingesprächen im Museum vertieft und diskutiert werden. Am 08. Januar ist Hans-Günther Griep beim Kamingespräch zu Gast. (uju)

Wilhelm Ripe „Eine Harzreise um 1850“ bis 31. Januar 2012 im Goslarer Museum Museumsufer an der Abzucht Öffnungszeiten:Dienstag bis Sonntag: 10.00 bis 16.00 Uhr

fotos: Museumsverein Goslar e.v.