Gestatten, Keck
geschrieben von Tilmann Görres im November 2011Kennst Du Peter Keck ?

Die Frau des Reporters, seit mehr als 30 Jahren in Bad Harzburg zuhause,
antwortet auf die Frage „Kennst du Peter Keck?“ mit „Jeder kennt
Peter Keck“. Und tatsächlich ist ein Netzwerk kaum jemals so dicht
und wird auch so intensiv gelebt wie bei dem heute 70-Jährigen, der fast die
Hälfte seines Lebens Standesbeamter war.
Keck ist fast so, wie er heißt, aber ganz ohne den Unterton. Dagegen aufrecht,
klar, direkt. Ein Mann, ein Wort. Einmal mit dem Thema „Keck nach
der Pensionierung“ befasst, hat er eine klare Vorstellung von seiner Darstellung
dessen, was ihn beschäftigt hat und heute umtreibt. Doch zunächst zur
Vorgeschichte.
Peter Keck ist in Hannover geboren und in Oldenburg aufgewachsen. Der Vater
ist im Krieg geblieben, in der Ukraine. Die Mutter heiratet später wieder, einen
Eisenbahner. Einer Eisenbahner-Lehre in Varel / Friesland („Familientradition,
alle um mich herum waren bei der Bahn“) folgen acht Jahre Bundesgrenzschutz
in Goslar, danach eine Ausbildung im Gemeindedienst in Harlingerode.
Ab 1969 arbeitet Keck als Standesbeamter, zunächst in Harlingerode, ab
1972 in Bad Harzburg, bis zu seiner Pensionierung 2003, insgesamt 34 von
70 Jahren. Aus dieser Zeit stammen die Schuhkartons voller Erinnerungen an
kuriose, fröhliche und traurige Begebenheiten, die seine Pläne für das Pensionärsdasein
begründen. Viel lesen will er und viel schreiben. Zum Lesen ist
er gekommen, das Schreiben, jedenfalls das von Büchern, ist noch im Blick,
aber etwas weiter weg. So ist er zurückhaltend in der Frage, ob es in der Arbeit
als Standesbeamter besonders erinnerliche Vorkommnisse gegeben habe. Ja,
da war die anrührende Geschichte, dass er einen Todesfall zu beurkunden
hatte und auf der Suche nach Angehörigen auf zwei Frauen traf, die noch nie
voneinander gehört hatten, obwohl beide Töchter des Verstorbenen und somit
Halbgeschwister waren. „Als diese beiden Frauen sich zum ersten Mal begegneten,
das war schon ein sehr bewegender Moment.“ Erinnerlich bleibt Keck
auch die Geschichte, die bundesweit in den Medien behandelt wurde: Da fiel
dem Beamten auf, dass ein Verstorbener nicht ehelich geboren und damit
nicht berechtigt war, den Namen des späteren Ehemannes seiner Mutter zu
tragen. Die notwendige Korrektur wirkte sich aus: Auch seine Kinder mussten
den rechtmäßigen Namen ihres Vaters übernehmen. Das galt dann auch für
Angeheiratete und Sprösslinge solcher Verbindungen. Folge: Die betroffenen
Familien mussten den Namen wechseln, was zu viel Ärger und einigen Versuchen
führte, den alten Namen zu behalten.
Keck führte Trauungen in der Seilbahn durch, auch – nach einer Bombendrohung
– die erste und einzige Trauung unter freiem Himmel. Und er arbeitete
mit Kollegen in der damals noch bestehenden grenzoffenen DDR Regelungen
aus, wie mit grenzüberschreitenden Ausländern und Wohnungslosen, mit
Kranken und Verstorbenen zu verfahren sei. „Das musste alles völlig neu entwickelt
werden“, so Keck.
Und dann war da noch die Geschichte von der Eheschließung des prominenten
Sohnes eines noch prominenteren Bad Harzburgers, bei der ein leibhaftiger
Ministerpräsident als Trauzeuge auftrat. „Wer hat das schon“, so Keck.
Die handelnden Personen: Wilhelm Baumgarten, heute Ratsherr und Präsident
des Bad Harzburger Rennvereins, dessen Sohn, Bräutigam Lars-Wilhelm
Baumgarten mit Braut Antje sowie der damalige Ministerpräsident Sigmar
Gabriel.
Man hat den Eindruck, der Rest bleibe Peter Keck, dem zukünftigen Autor,
vorbehalten. Als Standesbeamter jedenfalls ist er in der Öffentlichkeit mit
mehr als 5000 Trauungen in Erscheinung getreten und wird weitere Kuriositäten
über seine Klienten sicher nicht über die Presse verbreiten. Die aus den
Eheschließungen resultierende Scheidungsquote liegt nach seiner Schätzung
weit unter Bundesdurchschnitt. Das, so Keck, werde von der Bad Harzburger
Grundhaltung begünstigt: Hier ist es unaufgeregt, man überlegt intensiver,was man tut, Affekthandlungen sind selten. „Wenn man die Menschen hier
nicht mag, hat hier zu leben keinen Sinn“ sagt Keck, woraus folgt: „Meine
Frau und mich bekommt man hier nicht weg“. Die beiden auswärts lebenden
Söhne haben ihm mit Hilfe der Schwiegertöchter schon je einen Enkel
beschert. Diese Enkel, Jonas, 16, und Niklas, 10, stehen unter der besonderen
Förderung ihres Großvaters, obwohl man sich manchmal Wochen und
Monate nicht sieht. Der Kontakt reißt nie ab; das Internet macht wöchentlichen
Informations- und Gedankenaustausch möglich. Selbst als Jonas ein
Jahr lang in den USA zur Schule ging, behielt man die
Gepflogenheit bei. Opa Keck wertet
nach wie vor drei Tageszeitungen
auf relevante Themen aus.
Wenn auch die Lektüre der Süddeutschen,
der Hannoverschen und
der Goslarschen Zeitung gelegentlich
die Kapazitätsgrenzen touchiert,
bleiben doch Interesse und
Zeit für vielerlei Aktivitäten. So verfolgt
Keck jede Menge sportlicher
Ereignisse in der Region. Vielfältig
sind seine Kontakte zu Hand- und
Volleyballern, nachdem er verletzungsbedingt
pausieren musste. 20 Jahre Handball sind ein
Teil des Netzwerks, nur die langjährige Zusammengehörigkeit, keine Kumpanei,
kein Klüngel, bestenfalls Freundschaften. Eben interessiert er sich für
die Teilnahme am Volleyball bei den Alten Herren des Männer-Turn-Klubs
(MTK), Bad Harzburg, wo er einige ehemalige Handballer seines Jahrgangs
treffen wird.
Beim Thema Kultur wird Keck nachdenklich: Seine Frau und ihn interessieren
Kabarett und Musicals. Comedy-Angebote nimmt man zwar auch in Bad
Harzburg wahr, aber Kultur- und Theaterreisen stehen häufig auf dem Programm,
zuletzt Hamburg und Berlin. Apropos Reisen: Auch die Welt hat noch
unentdeckte Flecken, aber mit „ich bin lieber in Goslar als in Venedig“ gibt
Keck einen offenen Einblick in seine Prioritäten.
Dass Peter Keck auch regelmäßig kegelt und sich Gedanken macht über die
Entschlüsselung von Briefen seines Vaters – in Sütterlin-Schrift verfasst
– sei als Randbemerkung notiert.
Aber es gibt noch eine
Aktivität, die ihm einen
hohen Zeitaufwand
abverlangt, der er jedoch
mit ungeteiltem Interesse
nachgeht: Keck ist
Trauerredner für Menschen,
die im Laufe
ihres Lebens die Verbindung
zur Kirche,
nicht aber ihren Glauben
verloren haben.
Der Trauerredner begleitet die
Hinterbliebenen, falls die es wünschen, in allen Fragen einer angemessenen
Bestattung. Dazu bedarf es gründlicher Gespräche mit den Angehörigen,
Trost natürlich, aber „das Wichtigste ist, über den Menschen zu
reden, ihn im Mittelpunkt zu sehen und die richtigen Worte für eine Trauerbegleitung
zu finden“, so Keck.
So füllt der 70-Jährige seinen Alltag mit intensivem Leben, an der Seite Frau
Gretlies, mit der er seit 49 Jahren verheiratet ist und die er bei allen seinen
Aktivitäten wenn möglich dabei hat. Keck fasst zusammen: „Die Fülle an Aufgaben
und Vorhaben kann man nur als Pensionär leisten.“ So ist es. (tg)
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