Klang aus vergangenen Jahrhunderten
geschrieben von Sidney Gromnica im November 2011HEYNO HERBST – EIN BESONDERER INSTRUMENTENBAUER

Sie hat eine lange Geschichte:
Barden, Troubadoure und Minnesänger
haben sie schon
benutzt, um mit ihrem weichen Klang
ihren Gesang zu begleiten. Liebeslieder,
Heldengesänge bis hin zum Spottgedicht
– für all dies war sie treue und
geduldige Begleiterin. Sie ist viel leiser
und sanfter als die spanische Gitarre
und hat einen romantischeren
Klang.
Al 'Oud – „das Holz“ – so nannte man
im persisch-arabischen Raum eine
Gruppe von Saiteninstrumenten, der
die heutige „Laute“ ihren Namen verdankt.
Sie hat im Laufe der Geschichte
eine Menge Spielarten hervorgebracht:
Sie wurde verlängert, erweitert, bekam
unterschiedliche Formen. Bordun-Saiten,
Saiten, die im Hintergrund mitklingen,
gaben dem Klang Farbe und
Fülle. Um den Tonumfang zu erweitern,
wurde der Instrumentenhals noch
zusätzlich verlängert. Kein Wunder,
dass dieses Instrument viele Musiker,
aber auch Instrumentenbauer, in ihren
Bann gezogen hat und nie wieder losließ.
Genau so war es bei Heyno
Herbst.
WER IST NUN HEYNO HERBST?
Jahrgang '51, ist er Lehrer am Niedersächsischen Internatsgymnasium in Bad Harzburg. Als junger Mann hat er klassische Gitarre gelernt. Von da aus war es für ihn dann kein weiter Weg zur Rockgitarre. Besonders der Blues, wie ihn John Mayall seinerzeit spielte, hatte es ihm angetan. Daneben aber gab es auch immer das Faszinosum der Herstellung der Instrumente, auf denen er spielte. In Bad Harzburg kam er durch seinen Schulfreund Arne Wulf zum Instrumentenbau. Dessen Vater Wilhelm Wulf baute nach dem Zweiten Weltkrieg in Harzburg außergewöhnliche Stücke: Fiedeln, Gamben – eben Instrumente aus alten Zeiten. So war es kein Wunder, dass Heyno Herbst Feuer fing und versuchte, solche alten Instrumente in seiner Freizeit ebenfalls zu bauen. Als es bekannt wurde, dass er sie sorgfältig und stilecht herstellte, brauchte er sich um die Nachfrage keine Sorgen zu machen. Gamben, Fiedeln, spanische Gitarren und Lauten baute er erfolgreich nach. Aber auch exotischere Instrumente wie die Drehleier standen auf seinem Programm. Irgendwann stand er aber aus Zeitgründen vor der Wahl, noch weiter Musik zu machen oder nur noch Instrumente zu bauen. Er entschloss sich – zur Freude der Menschen, die gern auf diesen alten Instrumenten spielen – für die zweite Variante. Im Laufe seiner Beschäftigung mit Gamben und Lauten lernte er die Instrumentenbauer von Bubenreuth kennen – dort hatten sie sich als Heimatvertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg niedergelassen. Sie stammten aus Schönbach im Egerland und hatten sich dort angesiedelt, um mit ihrem aus langer Tradition stammenden Know-how im Fränkischen neu anzufangen. Ihre Erfahrungen waren für Heyno Herbst wesentlich bezüglich der Perfektion, durch die sich seine Instrumente heute auszeichnen. Die Notwendigkeit, profunde Kenntnisse über die verwendeten Materialien zu erlangen – in erster Linie das Wissen um die Qualität des Werkstoffs Holz – hat bei ihm zu einer stattlichen Sammlung von Literatur geführt. Immer wieder zieht er sie gern zu Rate, um das eine oder andere Problem zu lösen. „Es ist wichtig, darauf zu achten, dass die Harmonie und Schwingungsfähigkeit bei der Herstellung erhalten bleiben – das entscheidet über die Qualität des Instruments. Das gibt ihm Leben ...“, betont Heyno Herbst ausdrücklich. Fast liebevoll streichelt er in seiner Werkstatt das eine oder andere Instrument. Für uns heute – im Gegensatz zu den Menschen früherer Zeiten – sehen die Formen allerdings doch sehr ungewohnt aus. Wenn man etwas lauter redet, schwingen die Saiten der Instrumente in seiner Werkstatt auf einmal unmerklich mit. Fasziniert hört man dann das leise Zwiegespräch dieser Instrumente, deren Bauweise durch die Zeiten hindurch viele Wandlungen durchgemacht hat und grundsätzlich doch gleich geblieben ist. Der griechische Philosoph Pythagoras hat einmal gesagt, dass der Aufbau unserer Welt – genauso wie in der Musik – auf der Zahl und der Harmonie beruht. Verlässt man die Werkstatt von Heyno Herbst mit ihren faszinierenden Instrumenten, so liegt einem dieser Gedanke auf einmal gar nicht so fern. (sg)
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