Harry Potter in Goslar ertrunken
geschrieben von Bernd Schwarz im November 2011
Es geschah in einer furchtbaren Nacht, dunkle
Wolken des Bösen brauten sich zusammen
und die Schleusen des Himmels öffneten
sich. Schadenbringende Wassermassen stürzten
vom Himmel und formierten sich zu einer
feindlichen Armee bisher ungekannter Boshaftigkeit.
Nichts konnte sie aufhalten, durch die trimagische
Kooperation mit den Stürmen des mystischen
Harzes und höllenheißer Blitze drang sie in
kleinste Ritzen von Dächern, um ihr zerstörerisches
Werk in den Räumlichkeiten des Cineplex
zu vollenden. Harry Potter war am Ende – die Filmrolle
lag nass und unbrauchbar auf dem Projektortisch
und triefte, als wolle sie ihr eigenes Ende
beweinen.
Zum Glück war dies der einzige größere Schaden,
den Florian Wildmann und seine 50 meist langjährigen
Mitarbeiter vor einigen Wochen zu beklagen
hatten. Es hätte durchaus schlimmer kommen
können, denn die analogen, sehr lange haltbaren
35 mm-Maschinen wurden in vier von acht Kinosälen
erst kürzlich durch neueste digitale Projektionstechnik
ersetzt. Die ist sehr viel empfindlicher,
zum Beispiel gegen Nässe, hält auch bei
besten, klimatisierten Bedingungen nicht so lange,
ist um ein vielfaches teurer und braucht auch viel
kostenintensivere Lampen (Stückpreis circa 1.600
Euro), macht jedoch ein 3D-Kinoerlebnis erst
möglich.
„Dagegen ist 3D-Fernsehen Kinderkram. Die riesige
Leinwand, das Klangerlebnis in Verbindung
mit dem dreidimensionalen Bild faszinieren junge
wie alte Besucher gleichermaßen. Der Stromverbrauch
ist leider zurzeit noch doppelt so hoch wie
bei den alten Geräten, auch die geringere Standzeit
der Projektionslampen geht ins Geld. Sie halten
lediglich 750 statt 2500 Stunden bei Analogtechnik,
also nur ungefähr ein Drittel im Vergleich
zu früher und die Wartungskosten sind extrem
hoch im Gegensatz zum guten alten Projektor.
Selbst der Austausch der konventionellen Leinwand
gegen die notwendige Silberleinwand kostet
rund 20.000 Euro“, weiß der Geschäftsführer zu
berichten.
Doch genug der schnöden Zahlen, freuen wir uns
auf künftige besondere Kinoerlebnisse, „Titanic“
wird es wohl im nächsten Jahr als 3D-Version
geben und wer weiß, vielleicht fliegt Harry Potter
mit seinem Nimbus 2000 beim Quiddich bald zum
Greifen nah an uns vorbei… (bs)
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