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was macht eigentlich Hans-Günther Griep

geschrieben von Anonymus im Dezember 2011

Goslarer Institution und „Multiplikator der Geschichte“

„Man könnte ihn auch um Mitternacht zu Fragen, die sich mit seiner Heimatstadt Goslar befassen, aus dem Tiefschlaf wecken – er würde sofort lossprudeln, sagt Dr. Ursula Müller, den Goslarern auch als „um“ bekannt, lächelnd. Viele der Heimatbücher haben die beiden zusammen verfasst. „Er ist eben einfach eine Institution und ein wandelndes Lexikon“. Und mit den Worten: „solche Menschen braucht der Harz“ schloss Hubertus van Wezel am 24. April 2003 seine Laudatio auf ihn zur Verleihung des Kulturpreises des Kulturverbandes Harz im Schlosstheater Ballenstedt. „Ich habe diese Laudatio im übrigen mit Herzblut verfasst und gehalten, weil ich diesen Mann im Laufe meiner mehr als 30-jährigen Amtstätigkeit kennen und schätzen gelernt habe“, erzählt er voller Zuneigung.

Ein Urgestein in der Kaiserstadt

Die Rede ist von Hans-Günther Griep. Ein Goslarer Urgestein. Denkmalpfleger, Heimatund Hausforscher, Volkskundler, Mitbegründer der Volkshochschule nach dem Krieg, Ausbilder von Generationen von Goslarer Stadtführern, Dozent über die Historie Goslars in schier überfüllten Hörsälen, gefragter Einzelberater zu Sanierungsplänen Goslarer Bürger und Verfasser von mehr als 350 Veröffentlichungen, deren Aufzählung mit Inhaltsangaben allein einige QUADRAT- Ausgaben füllen würde. Viele Preise hat er im Laufe seines langen Schaffens erhalten, dazu Ehrungen zuhauf, und er ist weit über die Grenzen der Kaiserstadt hinaus bekannt als Hausforscher: auf dem Balkan, in Skandinavien, in Frankreich, Polen und Ungarn.

Notunterkünfte und Volkshochschule

Als der fertige Diplomingenieur und Architekt 1945 verletzt aus dem Kriegsdienst entlassen wurde, kümmerte sich sein Vater Ernst Griep, damals – weil parteilos – einziger Goslarer Verwaltungsangestellter, um die Unterbringung der Flüchtlinge. Von dessen Tatkraft inspiriert, begann der junge Architekt Griep, den Wohnungssuchenden die Unterkünfte menschlicher zu gestalten. „Das war harte und erfinderische Arbeit“, sagt Griep. Es wurde hin und her „organisiert“, um die Notbehausungen etwas komfortabler zu gestalten. Später dann erzählte er den Neuankömmlingen von den Schönheiten dieser Stadt, um sie mit der neuen Heimat vertraut zu machen. Ferner hielt er Vorträge in Goslar und im Landkreis. Nicht nur über historische Hintergründe, sondern es ging auch um ganz existentielle Probleme, wie „Ernährung aus dem Walde“. Das alles führte wenig später zur Gründung der Volkshochschule.

Schweden: Griep bleibt neun Monate

Noch zur englischen Besatzungszeit Goslars holte ihn Schweden 1947 an die Volkshochschule auf die Insel Väddö, im Zuge einer Art „Re-Demokratisierung“ der Deutschen. Von ursprünglich 80 Bewerbern blieben 40 übrig; unter den letztlich ausgewählten vier war Hans-Günther Griep, der jedoch die vorgesehenen vier Wochen auf neun Monate ausdehnte. Immerhin aber ist er Goslar seit seiner Rückkehr bis zu seiner Pensionierung 1986 als Amtmann treu geblieben. Zwischen 1950 und 1953 baut er sein Haus in der Thomasstraße, am Ende der Stadtmauer, unten Stein und oben Fachwerk. Hier sind auch die beiden Söhne Dr. Wolfgang Griep und Dr. Hans-Joachim Griep aufgewachsen, die heute, im Gegensatz zum Vater, nicht mehr in Goslar wohnen.

Goslar und Griep – untrennbare Gs

„Sein Motto war immer Sehen und Erkennen“, sagte Hubertus van Wezel in seiner oben erwähnten Laudatio. „Alles sollte anschaulich und deutlich dargestellt werden. Er strebte die Ganzheitsbetrachtung an“. Keiner kommt an Hans-Günther Griep vorbei; weder die Kunsthistoriker wie auch die Hausforscher. Unzählige Veröffentlichungen zur Heimatkunde verfasste er; überörtlich machte er sich einen Namen vor allem zur Hausforschung und zu historischer Bautechnik. Heute längst im Ruhestand, ist er weiterhin gefragt, denn nur Hans-Günther Griep kann profundes Wissen so anschaulich weitergeben

GroSSe Verdienste

Hans-Günther Grieps Wissensschatz ist unerschöpflich und allein schon für seine Heimatstadt unentbehrlich. Er hat sich große Verdienste um die Entwicklung des Stadtbildes gemacht. Außerdem war er gefürchtet von allen, die abrissen, um neu zu bauen. Mancher Bauherr zitterte vor ihm, wenn er wie ein Wachhund auf der Baustelle erschien, um nach dem Rechten zu sehen… Er ist natürlich Mitglied in vielen heimatkundlichen Vereinen, sowohl als Vorstand als auch als Ehrenmitglied. So berichtet er mit einer Handschrift, gestochen scharf, dynamisch und junggeblieben, dass er den Niedersächsischen Verdienstorden I. Klasse und zwei Kulturpreise erhalten habe. Der eine wurde von der Stadt Goslar verliehen, der andere vom Regionalverband Harz. Dass er seine Tätigkeit als Dozent 2003 niedergelegt hat, wird sehr bedauert.

Kein Ruhestand trotz Ruhestand

Hans-Günther Griep hat trotz Ruhestand nicht aufgehört, seinen Forscher- und Wissensdrang auszuleben. Er blieb nicht nur im norddeutschen Raum: Baden Württemberg, die Schweiz und Österreich wurden in Sachen Fachwerk von ihm genauso unter die Lupe genommen und mit dem Zeichenstift erfasst, wie auch sein Bericht über Italien von den Alpen bis Sizilien und Jugoslawien. Darüber hinaus hat auch der englische Hausbau bei Griep seinen Platz. Seine 1959 begonnene Buchreihe über das deutsche Bürgerhaus endet zunächst einmal mit dem Titel „ Das Bürgerhaus der baltischen Städte“. Ehrenamtlich unterstützt er so manches Projekt der Stadt.

Er hört ohnehin nicht auf, seine Erfahrung weiterzugeben. Im Goslarer Bergkalender 2012 berichtet er über vergessene Straßennamen, und in der Sammlung „Goslarer Döneken“ ebenda können sich die Leser schon jetzt auf den „Gänsestriptease“ freuen.

Zeichenblock und Stift immer dabei

Mit seiner Fotografenmeisterin Jutta pendelt er zwischen Hannover und Goslar; das beschauliche Leben nach dem Ruhestand kennen sie so recht nicht. Die vielen gemeinsamen Reisen ins In- und Ausland sind jetzt vielleicht etwas intensiver geworden. Die beiden bleiben wach und aufgeschlossen für alles Neue. Er schreibt, und sie fotografiert nach wie vor, so wie sie auch früher viele Bilddokumentationen zu seinen Veröffentlichungen beigetragen hat. Doch – „Alles, was ich gesehen habe, hat sich dadurch eingeprägt, dass ich es auch gezeichnet habe“, beendet Hans-Günther Griep seine Vita. Das erinnert an vergangene Zeiten, als uns noch kein Foto später zeigen konnte, wo wir denn eigentlich in unserem Urlaub gewesen waren. Hans-Günther Griep aber benutzt zum wirklichen Einprägen Zeichenblock und Stift – beide sind immer dabei. (Bei Nachfragen hat er ja trotzdem noch immer Jutta, die mit Sicherheit auch eine Fotografie davon archiviert hat)… (babs)

(Wir danken Hubertus van Wezel und Dr. Ursula Müller für ihre Unterstützung)

Zeichnung: H.G. Griep, Foto: Jutta Görke