Golfers Freund und Helfer
geschrieben von Stefan Sobotta im September 2011
Nein, der Marshal ist nicht nur eine Figur im
Western, wo er im Staubmantel durch die
Prärie von Ort zu Ort reitet, um mit seinem
Colt für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Auch auf
dem grünen Rasen des Golfclubs Harz sind zwei
Marshals unterwegs. Ihr Auftrag: Golfern das Spiel
so angenehm wie möglich zu gestalten.
Eckhard Teetz und Günter Pusch heißen die guten
Geister auf dem gepflegten Rasen. Sie sind leicht
zu erkennen an ihren weißen Polohemden und roten
Pullovern. Darauf leuchtet das Logo des Golfverbandes
Schleswig-Holstein und der Schriftzug
„Marshal“. Der Landesverband im Norden bildet
auch die niedersächsischen Ordnungskräfte aus.
Insgesamt gibt es von ihnen 123 in ganz Deutschland,
weiß Günter Pusch. Die Ausbildung im hohen
Norden umfasst mehrere Wochenenden und
jährliche Nachschulungen. Die Liebe für das Spiel
ist natürlich dabei für Anwärter eine Grundvoraussetzung.
AUSBILDUNG IM NORDEN
Marshals sind keine Platzpolizei. Sie verkörpern
den „Spirit of Golf“. Ihre Aufgabe ist es, den Spielern
zu einem guten und flüssigen Spielablauf zu
verhelfen. Nicht immer kennt jeder, der auf dem
Platz unterwegs ist, die Verhaltens- und Spielregeln
und bringt dadurch auch schon mal sich und
andere in Gefahr. Die Marshals sind „Freund und
Helfer“ des Golfers.
In den 50er-Jahren tauchte in den USA erstmals
der Bergriff „Marshal“ auf Golfplätzen auf. Damals
war es noch die Bezeichnung der Helfer, die
während großer Turniere die Zuschauer um Ruhe
bitten. Seit dieser Zeit hat sich ihr Aufgabenspektrum
deutlich erweitert. Eine Hauptaufgabe ist es,
den zügigen Spielfluss zu gewährleisten. Langes
Suchen nach verlorenen Bällen, während die
nächsten schon warten, mögen sie ebensowenig wie Drängeln. „Das in die Hacken spielen kann ich
gar nicht leiden, zumal es sehr gefährlich ist“,
sagt Eckhard Teetz. Zügig und mit ausreichend
Abstand nach vorne und hinten, so soll sich der
Flight (so wird eine Gruppe von bis zu vier zusammen
spielenden Golfern genannt) über die Bahnen
bewegen. Dass dabei eine korrekte Kleidung getragen
wird, ist leider auch nicht immer selbstverständlich.
T-Shirts und Bluejeans sind beispielsweise
tabu, ebenso wie Turnschuhe. „Wegen der
Rutschgefahr auf den oft schräg abfallenden Spielbahnen
wünschen wir uns bei allen Spielern Softspikes“
sagt Günter Pusch. Wichtig ist auch das
Ausbessern des Platzes durch den Golfer, wenn
dieser durch den Schlag oder den Ball geschädigt
wurde. Das nötige Werkzeug, sogenannte Pitchgabeln,
haben die Marshals dabei und verschenken
diese an Golfer, die ihre wieder zu Hause „vergessen“
haben.
KLARE WORTE
Ein Kurs in erster Hilfe gehört natürlich auch zur
Ausbildung. Bänderdehnungen und ähnliche kleine
Unfälle gehören auf dem bergigen und abwechslungsreichen
Harzburger Platz zu den häufigsten
Problemen. In der Geschichte des Clubs
hat es aber auch schon zwei Herzinfarkte gegeben.
Aus diesem Grund hoffen Teetz und Pusch auf die
Anschaffung eines automatischen externen Defibrillators
(AED). Diese AED finden sich bereits heute
schon in vielen Firmen und öffentlichen Gebäuden
und ermöglichen es auch unerfahrenen Ersthelfern,
bei Kreislaufstillstand schnell und effektiv
zu helfen.
Die wenigsten Probleme haben die beiden freundlichen
Herren mit den Jugendlichen. Oft sind es
eher die älteren Mitglieder, bei denen sich im Laufe
der Zeit Verhaltensweisen eingeschliffen haben,
die nicht unbedingt immer ideal sind. Pusch führt
das auf die gute Jugendarbeit zurück, die darauf
abzielt, von Grund auf das gute und richtige Spiel
aufzubauen. Disziplin auf dem Platz und ein höflicher
Umgang miteinander, das seien die Grundvoraussetzungen,
auch wenn manche noch darauf
hingewiesen werden müssen, dass man sich zu grüßen
hat und nicht wortlos aneinander vorbeigeht.
Oft geben sie an den Vorstand ihre Anregungen,
Kritik und Erfahrungen weiter. Vor allem mit dem
Platzwart besteht ein guter und enger Kontakt.
Beide freuen sich über den guten Pflegezustand
des Platzes, den der neue Platzwart zusammen mit
dem Greenkeeperteam in diesem Jahr erreicht
hat.
SPASS AM SPIEL
Die Harzburger Marshals machen ihren „Job“ ehrenamtlich
und mit viel Engagement und Freude.
Die Kameradschaft und die Zusammenarbeit mit
anderen Menschen sind für sie stets aufs Neue eine
große Motivation. „Es macht viel Spaß, hier immer
neue Leute kennenzulernen. Das betrifft sowohl
die Mitglieder als auch unsere Gäste, von
denen viele auch aus dem Ausland kommen“,
freuen sich beide. Auch wenn sie manchmal deutliche
Worte finden müssen, am Ende schaffen sie
es doch meist, dass die Angesprochenen zufrieden
sind. In harten Fällen gibt es einen speziellen
Golfball als Geschenk. Er trägt zur Erinnerung den
Aufdruck: Marshal GCH Ecki und Günni. (sts)
FOTOS: STEFAN SOBOTTA
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