Wählen Sie Ihre Stadt:
Magazin für Goslar/Bad Harzburg
Themen
Alle Themen und Artikel

Golfer mit Bollerwagen

geschrieben von Stefan Sobotta im September 2011

FREUNDLICHE SCHLÄGERTYPEN

Golf der kurzen Wege. Das ist Swingolf. Eine Golfvariante für jedermann, die mittlerweile auch in Deutschland hohe Zuwachsraten hat. Alle können spielen, Prüfungen und ähnliche Einstiegshürden gibt es nicht. Die Tagesgebühr ist billiger als eine Kinokarte.

Vor fast zehn Jahren hat der Westeröder Landwirt Konrad Buritz über dieses Spiel in einer landwirtschaftlichen Fachzeitung gelesen. Er war sofort begeistert von diesem Sport und fuhr in die Schweiz, um sich dort den Platz anzusehen, über den er gelesen hatte. Nur zwei Jahre später konnte er die ersten Swingolfer auf dem eigenen Gelände am Nordharzrand begrüßen. Dieser Sport ist ursprünglich in den 80er Jahren in Frankreich erfunden worden. Erst zu Beginn des neuen Jahrtausends entstanden die ersten Plätze außerhalb Frankreichs.

Nach Bayern und Westfalen war die Westeröder Anlage die dritte in der Bundesrepublik. Buritz gehört zu den Pionieren dieser noch jungen Sportart, die er selbst auch mit Leidenschaft betreibt. Wo früher noch Kühe grasten, findet sich heute ein 9-Loch-Platz mit gepflegten Fairways und Grüns und ansprechender Bepflanzung. Verglichen mit einem herkömmlichen 9-Loch-Golfplatz liegt der Flächenbedarf bei etwa zehn Prozent. Bei Swingolf ist der Ball größer und schwerer als sein kleines klassisches Pendant. Er fliegt daher nicht so weit. Aus diesem Grund hat auch ein Swingolfplatz eine ähnliche Par-Bewertung wie ein „großer“ Platz. Das Par (Professional Average Rating) gibt an, wie viele Schläge ein guter Golfer für eine Spielbahn benötigt. Vom Par 3 bis zum Par 5 geht dabei die Spanne. Die Gesamtlänge der Bahnen beträgt dabei in Westerode ungefähr anderthalb Kilometer. Die Regeln sind etwas vereinfacht, nähern sich dem herkömmlichen Golf aber immer mehr an. Gespielt wird mit nur einem Schläger, der für alle Schläge geeignet ist und verschiedene Schlagflächen hat, je nachdem, wie man ihn dreht.

MEISTERLICHER PLATZ

Der örtliche Platz zeichnet sich durch enge Bahnen aus und erfordert daher ein sehr präzises Spiel. Alle, die mal von der eigentlichen Bahn abkommen, müssen sich jedoch keine Sorgen machen: Die Bälle sind so weich, dass Verletzungsgefahr nicht besteht. Obwohl an der schmalsten Stelle des Platzes auch noch ein Reitweg über die Bahnen führt, ist es in sieben Jahren Spielbetrieb hier nie zu Problemen gekommen. Diejenigen, die regelmäßig spielen, konnten sich durch den Platz ein sehr genaues Spiel antrainieren und sind so auch auf weitläu- figeren Plätzen stets vorne mit dabei. Mehr als 30 Swingolfer aus Westerode spielen mittlerweile auch „klassisches“ Golf mit kleinen Bällen auf großen Plätzen. Das klappt meist auch auf Anhieb sehr gut, weiß Konrad Buritz zu berichten. Swingolf ist ein guter Einstieg für das klassische Spiel mit den kleinen Bällen auf den großen Plätzen. Viele, die hier angefangen haben, spielen beide Varianten auch noch parallel. Mittlerweile hat sich in Westerode auch eine rege Clubszene etabliert. Mehr als 50 Mitglieder nutzen regelmässig die Anlage, die in einem hervorragenden Pflegezustand ist. Konrad Buritz hat hier quasi eine Musteranlage errichtet. Für den deutschen Swingolf-Dachverband zertifiziert er alle Anlagen nördlich von Frankfurt. Zusammen mit den französischen Swingolfern sitzt Buritz zweimal im Jahr in einer Regelkommision. Damit diese Regeln in Turnieren auch eingehalten werden, gibt es in diesem Jahr im Oktober auf der Anlage zum ersten Mal einen Schiedsrichterlehrgang.

Im Laufe der Jahre hat sich immer mehr eine gute Schlagtechnik durchgesetzt. Ernsthaften Spielern war schnell klar, dass nur die richtige Technik zum Erfolg führt. Ein wichtiger Punkt, da ein voller Turnierkalender den sportlichen Ehrgeiz herausfordert. Auch Golfpros entdecken langsam Swingolfer als Zielgruppe. Vielerorts besteht auch eine enge Zusammenarbeit zwischen herkömmlichen Golfanlagen und Swingolf-Plätzen. Konrad Buritz hat mit dem Golfclub Harz entsprechende Kontakte geknüpft, so dass bei dem vierten Harz Open Turnier der Swingolfer im September auch ein Pro mit dabei ist. Auf sportlicher Ebene ist der Harzer Club außerordentlich erfolgreich. Bei der Deutschen Meisterschaft in Essen konnte in der Mannschaftwertung ein guter zweiter Platz errungen werden.

SWINGOLFKOMPETENZ DER ERSTEN STUNDE

Neben dem sportlichen Erlebnis steht für viele Swingolfer auch die Geselligkeit im Vordergrund: Ein Bollerwagen mit Verpflegung und Getränken kann hier mit auf die Runde genommen werden, so dass auch Kehle und Magen zu ihrem Recht kommen. Gerade für private Gruppen, Vereine und Firmen ist das natürlich ein ganz besonderes Erlebnis. Buritz begrüßt daher oft Gäste auch aus der weiteren Umgebung.

Für die Zukunft wünscht sich der Westeröder Landwirt die Erweiterung des Platzes auf 18 Löcher, um so 2014 zum zehnjährigen Jubiläum die deutsche Meisterschaft oder sogar die Europameisterschaft an den Harzrand zu bekommen. (sts)

FOTO: STEFAN SOBOTTA