„Da stelle ma uns mal janz dumm …“
geschrieben von Rüdiger Albert im Januar 2012DIE FEUERZANGENBOWLE GEHÖRT IM WINTER ZU DEN KULTGETRÄNKEN DER NATION, UND DAS VERDANKT SIE DEM GLEICHNAMIGEN FILM MIT HEINZ RÜHMANN

Ihren Namen verdankt die Bowle der engÂlischen Bezeichnung für Schüssel, nämlich
„bowl“. Die im Sommer so beliebten GeÂtränkemischungen haben ihre Vorläufer in den Kräuter und
Gewürzweinen des späten MittelÂalters. Sie eignen sich hervorragend und sind gern genommen als
leichtes Sommergetränk in
den Nachmittags und Abendstunden.
Dass Bowlen im Sommer Hochkonjunktur haben, liegt nicht nur daran, dass sommerliche Tempe raturen
leichtere Getränke erfordern, sondern auch an der Erntezeit vieler einheimischer Obst sorten, die
sich frisch geerntet hervorragend für eine solche eignen. Da aber auch Obstkonserven und
Tiefkühlprodukte in den Regalen und KühlÂtruhen der Supermärkte glänzen, ist es kein ProÂblem, zu
jeder Jahreszeit eine Bowle anzusetzen.
Ganz streng betrachtet, nach den Regeln der inÂternationalen Barkeeperzunft, ist die Bowle ein
kaltes Getränk, das aus Wein bzw. Sekt und Früchten zusammengemixt wird. Für den Haus gebrauch
sind die kühlen Mischungen kaum ge eignet, weil fast immer eine große Menge an ver schiedenen
Getränkesorten zusammenkommt. Es sind also eher Getränke für Feste, Feten und Feiern.
„Da stelle ma uns mal janz dumm …“, gibt der Herr Professor im berühmten Film „Die FeuerÂ
zangenbowle“ zu bedenken. Denn eine weitere Kategorie der Getränkemischungen nach den Regeln der
internationalen Barkeeperzunft ist
der Punsch. Dies wiederum ist ursprünglich die
Bezeichnung für ein Teegetränk aus Indien, das mit Arrak, Zitronen und Gewürzen hergestellt wird.
Heutzutage ist das Wort Punsch zu einem Überbegriff für heiße, alkoholische Getränke mutiert, die
ordentlich gewürzt werden. Der Al koholgehalt ist meist recht deftig, dennoch schmeckt der Alkohol
kaum durch. Die FeuerÂzangenbowle ist also — wenn man so will — ein Punsch. Wer hätte das gedacht?
Keine Bowle, weil Bowlen kalt serviert werden –und eine kalt servierte Feuerzangenbowle ist
fürwahr eine Strafe Gottes.
Wiederum in dem bekannten Filmstreifen finden wir auch Aufschlussreiches über die Wirkung dieses
Getränkes: „Eine Feuerzangenbowle hat es in sich! Nicht wegen des Katers. Das ist eine Sache für
sich. Eine Feuerzangenbowle ist keine Bowle. Sie ist ein Mittelding zwischen Gesöff und Hexerei.
Bier sackt in die Beine, Wein legt sich auf die Zunge, Schnaps kriecht ins Ge hirn.“ Und nun
kommt’s: „Eine Feuerzangen bowle aber geht ans Gemüt. Weich und warm hüllt sie die Seele ein,
nimmt die Erdenschwere hinfort und löst alles auf in Dunst und Nebel.“
Die heiße Gemütsbowle hat es also in sich. Das liegt weniger an Obst und Gewürzen, sondern eher am
Alkohol, dem Rum. Denn der muss min destens 50 Umdrehungen vorweisen, sonst ent flammt er nicht.
Da ist Vorsicht geboten oder, wie es im Film heißt: „Herr Professor, Herr Professor! Ich seh’ alles
doppelt, merken Sie’s nicht?“ (ra)
Fotos: pixelio.de © telemarco; Fotolia.de © ingridHs
Der Klassiker für 4 – 6 Personen
– 3 Flaschen Bordeauxwein
– 1 Stück Orangenschale
– 1 Stück Zitronenschale
– 5 Gewürznelken
– 1 kleiner Zuckerhut
– 1 Flasche hochprozentiger Rum
Den Wein in einen Kupferkessel geben und erwärÂmen. Orangenschale, Zitronenschale und Nelken in
ein Mullsäckchen binden und am langen Faden in den Wein hängen. Die Feuerzange über den Kessel
legen, den Zuckerhut drauf platzieren, mit Rum tränken und anzünden. Stetig etwas Rum nachgießen,
bis er verbraucht und der schmelÂzende Zucker in den Wein getropft ist; dann die Feuerzange und
den Gewürzbeutel entfernen. Bowle in feuerfesten Gläsern servieren.
Moderne Variante für 10 Personen
– 4 Flaschen Rotwein
– 2 unbehandelte Orangen
– 2 – 10 Esslöffel Zitronensaft
(je nach Säurebedürfnis)
– 2 Zimtstangen
– 10 Nelken
– evtl. 1 unbehandelte Orange und
2 Zimtstangen extra für die Optik
– 1 Flasche hochprozentiger Rum
Orangen in Scheiben schneiden, eine Scheibe mit den Nelken spicken. Wein, Zimtstangen, ZitronenÂ
saft und Orangenscheiben in einen Topf geben. Das Ganze circa 40 Minuten bei 60 Grad Celsius
durchziehen lassen. Danach unbedingt die OranÂgenscheibe mit den Nelken entfernen (sonst schmeckt
der Punsch nur nach Nelke). Nach dem Entfernen der Nelkenscheibe noch mal 30 MinuÂten ziehen
lassen. Für die Optik kann man nun die aufgeweichten Orangenscheiben und Zimtstangen durch frische
ersetzen. Feuerzange über den Topf legen, Zuckerhut drauf platzieren, mit Rum trän ken und
anzünden. Stetig etwas Rum nachgießen, bis er verbraucht und der schmelzende Zucker in den Wein
getropft ist; dann die Feuerzange entÂfernen. Bowle in feuerfesten Gläsern servieren.
Fotos: pixelio.de © telemarco; Fotolia.de © ingridHs
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