Mission possible – Atlantiküberquerung
geschrieben von Bernd Schwarz im Dezember 2011
Wir treffen uns im Café am Markt in Goslar
und Dieter Renner, ehemaliger Direktor
des CvD-Gymnasiums, plaudert aus seinem
neuen Leben abseits vom Schulalltag. Der
62-Jährige ist seit rund neun Monaten im Vorruhestand
und genießt seine neu gewonnene Freiheit
in vollen Zügen. Gerade mit einem langjährigen
Freund von einer Rundreise durchs türkische
Kappadokien zurückgekommen, schwärmt er noch
von den „tanzenden Derwischen“ und einer besonders
faszinierenden Ballonfahrt über das Tuffsteingebirge
Kappadokiens. Gut gelaunt erzählt
der aktive Unruhegeist über Reisen, Restaurierung
und Radtouren.
Bis jetzt fühlt sich sein neues Leben noch wie verlängerte
Ferien an. Nach dem gemeinsamen
Umzug des Paares nach Wolfenbüttel, Renners
Heimatstadt, hat er in mühevoller Detailarbeit sein
Elternhaus von Grund auf restauriert. „So ein altes
Haus ist sehr reizvoll, hat einfach Charakter, verlangt
aber auch besondere Aufmerksamkeit, wenn
man es auf den neuesten Stand der Technik bringen
will. Man muss da sehr einfühlsam sein. Wir
brauchen sicher noch einige Wochen, bis wir mit
unserem Projekt Haussanierung fertig sind“,
erklärt er.
Dieter Renner weiß, wovon er spricht, denn er hat,
bevor er Germanistik studierte, eine Ausbildung
zum Werkzeugmacher absolviert. Bohren, Schweißen,
Gewindeschneiden, auch heute noch kein
Problem. „Das Praktizieren von Kopf- und Handarbeit
ist für mich eine große Freude, am Abend
zu sehen, was man den ganzen Tag gemacht hat,
ist sehr befriedigend. Ich kann auf unserem Bau
zwar nicht alle Gewerke abdecken, habe aber das
technische Verständnis, um mit den Handwerkern
die optimale Lösung zu finden.“
„Es ist nicht das nicht mehr arbeiten müssen, was
mich gereizt hat und mich zu diesem Schritt bewogen
hat, sondern die neue Freiheit,“ erklärt er
seine Entscheidung, vorzeitig aus dem Schuldienst
auszuscheiden. „Schule hat mir immer
Spaß gemacht, jetzt kann ich aber den Fahrplan
meines Lebens selbst bestimmen.“ Bedauerlich
findet er, im Sinne des (nicht stattfindenden)
Know-how-Transfers, dass die im Berufsleben erworbenen Kompetenzen vom Arbeitgeber überhaupt nicht mehr nachgefragt werden.
Gegen einen schulischen Einsatz, der zeitlich zu begrenzen
wäre, hätte der ehemalige Direktor nichts einzuwenden.
So könnte er sich vorstellen, in der
Ausbildung künftiger Leiterinnen und Leiter von
Gymnasien oder als Mitglied der Schulinspektion
mit zu arbeiten.
„Ich habe nämlich neben der Hausrenovierung
noch viel vor, zum Beispiel möchte ich mit dem
Segelboot den Atlantik Richtung Amerika überqueren,
das geht wegen der Passatwinde aber nur
am Ende eines Jahres, die Sommerferien scheiden
also damit schon mal aus. Zurzeit bin ich im Internet
noch auf der Suche nach einer Mitsegel-Gelegenheit,
denn das ursprüngliche Vorhaben, mit
zwei Freunden im eigenen Boot die Atlantiküberquerung
zu wagen, musste wegen beruflicher Auslastung
eines Beteiligten verworfen werden. Die
Suche nach der richtigen Crew gestaltet sich noch
ein wenig schwierig, weil ich einen Eigner mit
einem Boot aus Stahl – nicht aus glasfaserverstärkstem
Kunststoff oder Holz – suche, und
wegen der Kurzfristigkeit, aber ich habe bereits
einen guten Kontakt für 2012, ich hoffe es klappt!
Der Plan ist, zumindest in eine Richtung mitsegeln
zu können, in diesem konkreten Fall wäre es
die Segeltour von den Kanaren in die Karibik bzw.
nach Florida.
Hand gegen Koje, heißt das Zauberwort, man
bekommt gegen aktive Mitarbeit auf dem Schiff
einen Kojenplatz und teilt sich die Kosten zum
Beispiel für Verpflegung und Hafengebühren.“
„Hat jemand mit so einem vollen Terminplan
eigentlich noch Zeit für andere Hobbys?“ „Ja,
natürlich bleibt da noch Zeit, mit den langjährigen
Freunden Tennis zu spielen und auch mal allein
eine ausgedehnte Radtour durch den Harz und
sein Vorland zu unternehmen, außerdem fordern
mich meine beiden kleinen Enkelkinder immer
mehr“, erklärt der begeisterte Opa augenzwinkernd.
„Ich passe öfters auf sie auf, spiele und
tobe mit ihnen und sorge dafür, dass sie abends
ausgelastet sind und gut schlafen.“ (bs
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