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„Ich möchte teilen, wenn ich eine Figur an mich heran lasse …“

geschrieben von Corina Klengel im Dezember 2011

Axel Gottschick: Von Bad Harzburg aus auf deutsche Bühnen

Nach Bad Harzburg kommt der Wahlkölner gern und regelmäßig zurück. Hier freut man sich immer, wenn der von Fernsehen und Theaterbühnen bekannte Sohn der Stadt sich in der Region einfindet und eine seiner literarisch umspielten Skizzen des Lebens präsentiert, die stets mit einem vollen Auditorium belohnt werden. Der private Axel Gottschick gehört während eines Besuches in der Harzer Heimat allein Katja Nordmann- Mörike, der Mutter seines Jugendfreundes Alfred, die für den Schauspieler zur Vizemutter avancierte. Der 1953 in Göttingen geborene Axel Gottschick verlebte seine Jugend in Bad Harzburg. Da sein Vater früh starb, schätzte es seine allein erziehende Mutter, die heute in der Nähe von Hamburg lebt, dass ihr Sohn in der Familie seines Jugendfreundes Alfred so herzlich aufgenommen und auch gefördert wurde.

Axel Gottschick und Alfred Nordmann verband schon früh eine große Leidenschaft, nämlich das Theater. Lebendig und gestenreich erzählt Gottschick, der nach eigenen Worten schon seit frühster Jugend Schauspieler hatte werden wollen, von seinen ersten Erfahrungen in dieser Kunst, die er in der Theater AG des Werner-von-Siemens-Gymnasiums gesammelt hatte. „Das war das einzige Fach, wo ich immer eine Eins hatte“, schmunzelt er. Während sein Jugendfreund Alfred sich zunächst mehr der Theaterdramaturgie zuwandte, beschritt Axel Gottschick nach dem Studium der Anglistik und Politologie konsequent den zuweilen dornigen Weg zur Schauspielkunst. Ob es sich um den Zugang zu bedeutenden Schauspielschulen, bedeutenden Bühnen oder eine bedeutende Fernsehproduktion handelt – über die steile Hürde des Casting-Frustes musste auch Axel Gottschick springen. „Bei mir war jedoch nie der Drang vorherrschend, reich und berühmt zu werden, ich wollte immer einfach nur diese Arbeit machen!"

Facettenreicher Akteur

Während so mancher Schauspielkollege, der völlig auf das Medium Film fokussiert bleibt, allzu leicht in wirtschaftliche Nöte gerät, ist Gottschick viel breiter aufgestellt. Neben dem Theater ist Gottschick nun auch ab und zu in Fernsehproduktionen zu sehen, wie etwa in Tatortfolgen, in Bella Block, Wilsberg, Danni Lowinski oder Der letzte Bulle.

Literatur mit allen Sinnen genieSSen

Gottschick spricht nicht nur mit seiner besonderen Sprachmethodik und den Musikeinlagen die Sinne der Zuhörer an, Sinnenfreuden macht er zuweilen auch zum Thema und erreicht damit, dass so manch alter Meister das Spröde verliert – beleuchtet man sein Werk etwa unter dem Aspekt der Erotik. Auch geht es bei Gottschick, der jede Unterhaltung mit sprühendem Witz anreichert, nie ohne Humor. Oft sind es Erkenntnisse aus dem Alltag, die er in den verschiedensten Dialekten – auch in der breiten Harzer Mundart – humorig wiederzugeben in der Lage ist. Dabei ist es nicht immer einfach, die Worte große Meister, die das Gewand vergangener Zeiten tragen, verständlich vorzustellen. Sein Zaubermittel hierfür ist seine Stimme. Mal kommt sie sonor und getragen daher, um im nächsten Moment Oktaven höher, in so munterem Kleid einher zu tanzen, dass ihm garantiert jede Aufmerksamkeit gewiss ist. „Wenn es plötzlich ganz still wird, weiß ich, ich habe die Leute“, erklärt er in eindringlichem Gestus.

Zwischen Comic und Goethe

Im Jahr 2000 machte Axel Gottschick szenische Lesungen und Rezitationsabende zu einem weiteren Standbein seiner Karriere, zu deren Alltag auch das Sprechen von Hörbüchern, Dokumentationen oder auch das Synchronisieren von Comic- und Computerspielfiguren gehören. Lebensbestimmend sind für den Schauspieler die Theaterbühne und die Lesungen, bei denen er es stets versteht, zu faszinieren. „Da gehen die Texte durch mich hindurch, ich bin quasi ein Medium und gehe dabei immer bis an die Grenzen. Ich möchte teilen, wenn ich eine Figur an mich heranlasse …“, erklärt Gottschick eindringlich. So gelingt es ihm, aus dem einfachen Lesen eines Werkes ein ganzes Hörspiel zu machen.

2003 gibt Gottschick dieser Leidenschaft einen Raum und begründet die Lesebühne im Kulturladen Zollstock in Köln.

Wenn auf der Lesebühne in Köln ein lyrischer Abend mit Mörike auf dem Plan steht, dann reist selbstverständlich Mörikes Ururgroßnichte, Katja Nordmann- Mörike aus Bad Harzburg an, die ihrem Vizesohn – auch auf der Bühne – zur Seite steht. Seite steht. (ck)

Foto: Helga Gromnica