Wählen Sie Ihre Stadt:
Magazin für Goslar/Bad Harzburg
Themen
Alle Themen und Artikel

Der Weg ist das Ziel

geschrieben von Stefan Sobotta im Oktober 2011

Ein Funsport, der keine Trendsportart ist, das ist Parkour. In Goslar widmen sich bisher nur wenige dieser Art der schnellen Fortbewegung. Einer von ihnen ist René Krüger. Der 22-jährige Azubi zum Fitnesskaufmann trainiert seit vier Jahren in diesem Bereich. Die, die diesen Sport ausüben, nennt man Traceure. Das französische Wort deutet auf den Ursprung dieser jungen Sportart in Frankreich hin. Es bedeutet soviel wie „der, der die Spur legt“.

Parkour ist sowohl eine körperliche als auch eine geistige Betätigung. Eine gute Fitness ist jedoch Grundvoraussetzung. Der Traceur legt beim Parkour eine Strecke zurück. Dabei überwindet er die Hindernisse, die ihm in den Weg kommen, ohne sie zu verändern. Sprünge zwischen Häusern, Balanceakte auf Mauerecken und Geländern, einfach eine senkrechte Wand hochlaufen, in die Tiefe springen. Alles das sind Elemente von Parkour. Es geht dabei nicht um Showeffekte, sondern um eine elegante Art der Fortbewegung. „Wenn man das gründlich übt, dann ist es auch sicher“, weiß Krüger.

SCHNELL UND SICHER

Bevor er etwas auf der Strecke ausführt, hat er es ausgiebig trainiert. „Ich lebe die Philosophie, dass man erst etwas richtig kann und es tausendmal geübt hat und es immer gleich ist, damit nichts passiert“, nennt Krüger sein Rezept dafür, dass er sich noch nie verletzt hat. Kern dieses Grundgedankens sei es, sich so schnell wie möglich und so sicher wie möglich von Punkt A zu Punkt B zu bewegen. Parkour geht immer und überall. Gern nutzt er auch den abendlichen Heimweg für seinen Sport. Vorher hatte er allerdings verschiedene Fall- und Landetechniken geübt. Abrollen, springen, laufen, klettern, das Gleichgewicht halten. Ein gutes Körpergefühl und eine starke Kondition sind die Schlüssel für Spaß an dieser Sportart.

SPORT MIT EINER PHILOSOPHIE

Parkour ist halb Technik, halb Gefühl und Gespür für die Bewegung. „Mit etwas logischem Denken kommt man da schon dahinter.“ Auch einer der Weltbesten sieht das so: Sébastian Foucan emp- fiehlt seinen Schülern, ihren eigenen Weg zu finden. Sicher gibt es Grundlagen und Techniken, die beherrscht werden müssen, aber den Weg zu seinem eigenen richtigen Bewegungsfluss müsse jeder für sich selbst finden. „Die beste Technik hilft nichts, wenn man noch nicht einmal einen Klimmzug hinbekommt“, gibt René Krüger zu bedenken.

René Krüger ist zur Zeit in der Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann. Sport ist bei ihm Beruf und Hobby zugleich. Neben seiner Arbeit in einem Goslarer Fitnessclub spielt er vereinsmässig Fussball und Basketball. Auf Parkour ist er durch Videos im Internet aufmerksam geworden. „Das sah ganz gut und lustig aus und dann habe ich das mal ausprobiert“, beschreibt Krüger seine Anfänge. Es hat ihm so gut gefallen, dass er dabei geblieben ist und seit fünf Jahren den schnellen Weg durch die Stadt sucht. „Gutes Wetter ist eigentlich Pflicht für diesen Sport“, meint er. Wenn es glatt und rutschig durch Schnee und Nässe wird, kann es schnell gefährlich sein, auf Geländern zu balancieren und Betonmauern hinauf zu laufen.

URSPÜNGE IN FRANKREICH

Der „Urvater“ dieser Bewegung ist David Belle. Der 38-jährige Franzose hat die Grundzüge von seinem Vater erlernt. Dieser brachte ihm die sogenannte „Méthode Naturelle“ bei. Diese Disziplin ist ein geistiges und körperliches Training, das dem Motto „Stark sein, um nützlich zu sein“ folgt und das vom Franzosen Georges Hébert Anfang des 20. Jahrhunderts erdacht wurde. David Belle, Sébastian Foucan und andere entwickelten daraus dann Parcour, das die Innenstädte als natürliche Übungsfläche nutzt. Eine weitere Ausprägung ist „Freerunning“. Hierbei werden noch zusätzliche Showelemente wie beispielsweise Saltos eingebaut.

Parkour ist Bewegung im Fluss. Für viele ist es eine eigene Philosophie, eine schnelle, effektive Bewegungssportart. „Für mich ist das schon auch das Tolle, dass ich sagen kann: Ich kann schneller von einem Punkt zum anderen kommen, als der Durchschnittsmann“, freut sich Krüger.

Leider konzentriert sich in Deutschland die Szene eher auf die großen Städte. René Krüger würde sich freuen, wenn sich auch im Goslarer Raum Traceure zum gemeinsamen Training treffen würden. Wer Interesse hat, mit ihm zusammen diesen vielseitigen Sport auszuüben, kann sich gern an die QUADRAT-Redaktion wenden. Die Anfragen werden dann weitergeleitet. (sts)

FOTOS: STEFAN SOBOTTA